Dienstag, 1. August 2017

Eine neue Schöpfung


Heutzutage schaffen viele Menschen etwas. Es gibt Modeschöpfer, Musikschöpfer, Kulturschöpfer, Wortschöpfer usw. und so fort. Auch die Bibel beschreibt uns Gott als Schöpfer von Himmel und Erde. Gott ist so kreativ, so bunt, so vielfältig. Er schuf die verschiedenen Pflanzenarten, Korallen und kunterbunte Fische, jeder von ihnen einzigartig. Gott schuf den Sternenhimmel, der in jedem Teil der Erde anders aussieht. Und er schuf den Menschen nach seinem Bild.
Der Mensch ist sein Werk. Er ist wunderschön und einzigartig gemacht.

Aber dann kam die Sünde in die Welt und mit ihr die Krankheit, der Krieg, Verletzungen und Tod. Menschen leiden und quälen sich durchs Leben. Für manche Menschen ist das Leben nicht einmal mehr lebenswert, so viel müssen sie durchmachen. Und wir Menschen verstehen einfach nicht, warum. Warum, Gott? Warum lässt du das alles zu?

Doch der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod ist nicht das Ende. In der Bibel heißt es im
2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 17 (Luther 2017):

"Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

"Ist jemand in Christus ..." Das bedeutet, ein Mensch hat Jesus als seinen oder ihren Erlöser angenommen und hat ihm sein oder ihr Leben anvertraut. Jesus hat ihm oder ihr die Schuld vergeben. Von nun an ist er oder sie ein neuer Mensch. "Das Alte ist vergangen", etwas ganz Neues hat begonnen. Dieser Mensch ist nun eine neue Kreatur, eine neue Schöpfung, ein neuer Mensch, wie neu geboren.

Diese Botschaft ist atemberaubend schön. Ein neuer Mensch. Die Altlasten gehören der Vergangenheit an. Leider bedeutet das nicht, dass wir nicht mehr leiden müssen, dass die Schmerzen vorbei sind und alles nach unserem Plan verläuft. Nein, das heißt es leider nicht. Aber Jesus geht mit uns, er nimmt uns an der Hand. Er sitzt neben uns in unserem Schmerz und legt den Arm um uns. Wir sind nicht allein. Niemals.

Jesus tröstet uns. Er kann das tun, weil er uns versteht. Denn er hat selbst große Schmerzen erlitten. Er wurde verlassen, verraten, bespuckt, geschlagen und zuletzt an ein Kreuz genagelt. Er versteht uns.

Was immer du gerade durchmachst, Gott kennt deinen Schmerz. Du bist ihm nicht egal. Er hat ein Auge auf dich. Du bist seine neue, geliebte Schöpfung. Er hat dir seinen Sohn Jesus geschenkt, um dich zu trösten. Er sagt dir: Hab keine Angst. Ich lasse dich nicht im Stich. Ich bin bei dir. Komm zu mir und ruhe dich in meinen Armen aus. Bei mir kannst du deine Lasten ablegen. Ich bin für dich da. Du bist mein Geschöpf, mein Kind, und ich bin dein Vater.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Von der Angst, zu kurz zu kommen ...


Jeremia 52, 31-34 (Luther 2017)

"Aber im siebenunddreißigsten Jahr, nachdem Jojachin, der König von Juda, weggeführt war, am fünfundzwanzigsten Tage des zwölften Monats erhob Ewil-Merodach, der König von Babel, im Jahr, da er König wurde, das Haupt Jojachins, des Königs von Juda, und entließ ihn aus dem Gefängnis und redete freundlich mit ihm und setzte seinen Sitz über die Sitze der Könige, die bei ihm in Babel waren. Und Jojachin legte die Kleider seiner Gefangenschaft ab und aß stets bei dem König sein Leben lang. Und was er zum Leben brauchte, wurde ihm als ständiger Unterhalt vom König von Babel gegeben, Tag für Tag sein ganzes Leben lang bis an sein Ende."

Dieser Text liest sich für mich ganz wunderbar. Er steht unter der Überschrift "Begnadigung des Königs Jojachin". König Jojachin war in Gefangenschaft geraten - für lange Zeit. Geht uns das nicht auch manchmal so, dass wir uns gefangen fühlen, vielleicht emotional, körperlich durch eine Krankheit, finanziell oder seelisch, weil wir irgendeine Bürde mit uns herumtragen? Fühlen wir uns nicht oft belastet, begrenzt? König Jojachin wusste, wie sich das anfühlt. 

Leider sagt der Text nichts darüber aus, wie sich Jojachin verhielt. Ob er beispielsweise Angst vor der Zukunft hatte, ob er über sein Leid klagte und jammerte, ob er sich vielleicht seinen Kopf vor lauter Verzweiflung an der Gefängnismauer blutig schlug. Wir wissen es nicht.

Aber eines wird uns mitgeteilt - der Ausgang der Geschichte. Denn in den Versen 33 und 34 wird uns gesagt: "Und Jojachin legte die Kleider seiner Gefangenschaft ab und aß stets bei dem König sein Leben lang. Und was er zum Leben brauchte, wurde ihm als ständiger Unterhalt vom König von Babel gegeben, Tag für Tag sein ganzes Leben lang bis an sein Ende."

Den König kann man auch mit Gott vergleichen. 
Gott - unser Versorger. Jojachin bekam vom König zu essen, er wurde vom König ernährt - und das sein Leben lang. Er bekam alles, was er zum Leben brauchte, einfach alles. Bis zu seinem Ende. Das Gleiche gilt für Gott. Er versorgt uns, er gibt uns Nahrung und Kleidung und darüber hinaus alles, was wir zum Leben brauchen.

Nun ist die Gefangenschaft Jojachins nach so langer Zeit endlich beendet. Er legt die Kleider seiner Gefangenschaft ab. Müssen wir das auch manchmal tun? Die Kleider unserer Gefangenschaft ablegen? Vielleicht ist es eine bestimmte Angst, die uns zu schaffen macht, oder wir machen uns Sorgen um etwas oder wir tragen immer noch alte Verletzungen mit uns herum. Wir werden uns befreiter fühlen, wenn wir diese alten Kleider der Gefangenschaft ablegen. 

Und der König tut noch mehr für Jojachin: "Der König redete freundlich mit Jojachin und setzte seinen Sitz über die Sitze der Könige."
Auch Gott redet freundlich mit uns. Er macht uns keine Vorwürfe, er schreit uns nicht an. Er ist nicht wütend auf uns. Nein. Er redet freundlich mit uns. Und... wenn wir leiden müssen, befördert er uns danach in eine höhere Position, er setzt uns über eine größere Aufgabe.

Gott gibt uns alles, was wir brauchen - und das bis an unser Lebensende. Vielleicht gibt er uns nicht immer alles, was wir wollen oder was wir meinen zu brauchen. Manchmal sind Dinge nicht gut für uns oder der richtige Zeitpunkt ist noch nicht gekommen. 

Die gute Nachricht ist: Gott kommt nie zu spät, er hat einen Plan für unser Leben und er gibt uns immer rechtzeitig, was wir wirklich brauchen. Er lässt uns niemals im Stich, wie dunkel es um uns herum auch aussehen mag oder wie sehr wir uns überfordert fühlen. Auf jeden Fall gilt: Gott sorgt für uns. Wir werden niemals zu kurz kommen.
Gott ist gut. Glaubst du das?

Mittwoch, 7. Juni 2017

ErMUTigung


"Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst." (Josua 1, 9; Luther 2017)

Was für ein Satz! Manchmal glaube ich, Gott kann diesen Satz unmöglich ernst meinen. Sei getrost und unverzagt? Entsetze dich nicht? In allem, was dir geschieht. In Krankheit, in schwerem Leid, in Krieg, in Terror, in Angst, in Sorge, in Mutlosigkeit? Wie geht das denn? Können wir Menschen das überhaupt, uns nicht entsetzen über bestimmte Dinge, über gewisse Menschen? Wie funktioniert das?

Ich glaube, als normalsterbliche Menschen bekommen wir das nicht hin. Das ist einfach zu hoch für uns. Wenn wir es hinbekämen, wären wir Maschinen, keine Lebewesen. Aber es gibt Hoffnung: Wir müssen es nämlich nicht allein hinbekommen! In dem Wort Ermutigung steckt das Wörtchen "Er" und das Wort "Mut". "Er" ist für mich Gott, Jahwe, der "Ich bin da". "Er", Gott, gibt mir "Mut". Er ist bei den Hoffnungslosen, bei den Verzweifelten, bei den Einsamen, bei den Abgelehnten, bei denen, die jeden Mut und jede Kraft verloren haben. Bei denen ist "Er", Gott. Er ist mit ihnen und FÜR sie.

Ich finde den ersten Teil des Satzes am interessantesten: "Habe ich dir nicht geboten..." Zum Ersten steht dieser Teilsatz in einer Vergangenheitsform: "Habe ich dir nicht geboten..." Zum Zweiten steht dort das Verb "geboten". Das klingt nicht nach einem Wunsch, einer Möglichkeit. Das Verb "gebieten" steht in der Befehlsform. Das ist ein Befehl! Eine Aufforderung! Du sollst getrost und unverzagt sein. Du sollst dich nicht entsetzen. Denn es gibt einen Grund, warum du das nicht tun solltest. Es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Der Hoffnungsschimmer lautet: Weil ich, Gott, dir sage, dass ich mit dir bin, in ALLEM, was du tun wirst. In ALLEM. Welchen Teil von "allem" verstehen wir eigentlich nicht?
Gott ist der Schöpfer des Universums, Gott hat uns gemacht. Er kennt uns besser als unsere Eltern, Freunde oder wir selbst uns kennen. Und es kommt noch besser. Er leidet mit uns. Er hat alles, was uns widerfährt, selbst erlebt. Am eigenen Leib, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn Gott sagt, er ist mit uns, wer kann uns dann schaden? Wer kann uns fertigmachen? Wer kann uns etwas wegnehmen? Wenn Gott alles im Griff hat, was kann uns passieren, solange wir ihn haben?

Ich habe allerdings nicht gesagt, dass es leicht ist. Satan will nicht, dass wir das glauben. Er will uns weismachen, dass wir nichts wert sind, wenn wir nicht ständig etwas tun, wenn wir nicht ständig auf Achse sind. Satan freut sich, wenn wir zu beschäftigt sind, um uns mit Gott in Verbindung zu setzen und Kontakt zu ihm aufzunehmen. Denn wenn wir keine Gespräche mit Gott führen, schneiden wir uns selbst von der Quelle lebendigen Wassers ab. Dann haben wir im wahrsten Sinne des Wortes keinen Saft mehr zum Leben. Dann haben wir keine Alternative mehr.

Gott hat einen Plan für dein Leben. Der Teufel leider auch. Welchen Plan willst du erfüllen, welchen Weg gehen?
Ich habe nicht gesagt, dass es leicht ist. Aber es ist deine einzige Hoffnung!


Mittwoch, 3. Mai 2017

Was ist deine Berufung?

Berufung - ein großes Thema! Für manche Menschen ist Berufung ganz einfach. Sie wissen, was ihre Begabung ist, und leben sie aus. Sie singen, tanzen, spielen in Filmen die Hauptrolle oder sie werden Pastoren, Leiter, Beter. Aber was geschieht mit Menschen, die ihre Berufung nicht so leicht finden können? Sie suchen danach, vielleicht ein halbes Leben lang, aber können sie irgendwie nicht finden.
Sie fühlen sich ungeliebt und unverstanden, als sei ihre Gabe marginal, eine Randerscheinung. Sie denken: "Gott muss mich vergessen haben". 

Jeder Mensch stellt sich zumindest einmal im Leben die folgenden drei Fragen:

Wo komme ich her?
Wo gehe ich hin?
Was ist der Sinn meines Lebens?

Vielleicht lässt sich das Wort "Sinn" auch durch das Wort "Berufung" ersetzen.
Was ist meine Berufung? Wozu braucht mich die Welt überhaupt? Was kann ich geben? Und vielleicht auch: Was bin ich überhaupt wert? 

Aber: Das ist die falsche Frage. Die falsche Herangehensweise. Denn, das, was du tust, macht nicht deinen Wert aus. Wenn du wissen willst, was deinen Wert ausmacht, frag deinen Schöpfer, der dich gemacht hat. Frag Gott. Er schickte seinen Sohn Jesus in diese Welt, um für dich zu sterben. Stellvertretend für dein Fehlverhalten, für deine fehlende Liebe zu anderen Menschen, für Verletzungen jeglicher Art. Gott ließ Jesus nach drei Tagen auferstehen.
Das Ergebnis: Jetzt hast du das ewige Leben. Nach diesem irdischen Leben darfst du für immer bei Gott sein, wenn du die Erlösung durch Jesus annimmst und Jesus dein Ja-Wort gibst.
Was für ein Ereignis! Was für ein Wunder! Gibt es etwas Größeres? Ich denke, das gibt es nicht.

Weil Gott dich geschaffen hat, bist du unglaublich wertvoll. Unbezahlbar. Mit keinem Geld und keinen Kamelen dieser Welt...

Was sagt dir das? Du bist wertvoll, egal, was du tust. Denn Gottes Geist lebt in dir. Gott misst dir deinen Wert bei. Niemand sonst. Kein Lehrer in der Schule, kein Professor im Studium, kein Boss auf der Arbeit, kein Ehepartner, keine Eltern, keine Freunde, noch nicht einmal du selbst.

Manchmal fragst du dich vielleicht, warum es in deinem Leben nicht vorwärtsgeht. Warum du leiden musst, warum du dich nicht ausreichend vorbereitet fühlst.

Lass mich dir ein paar Personen aus der Bibel aufzeigen, die wirklich alles andere als qualifiziert waren, Gott zu dienen. Da wären zum Beispiel Paulus, ein ehemaliger Pharisäer, Jona, der vor seinem Auftrag davonlief, Petrus, der Jesus sogar verraten hat, und Daniel, der bei den Löwen landete.

Nicht gerade Helden, die man vorzeigen kann. Aber Gott gebrauchte sie alle. Immer und immer wieder, egal, wie viele Fehler sie gemacht hatten. Warum sollte Gott mit dir Probleme haben?
Er wird dich gebrauchen. Vielleicht tut er es schon jetzt und du hast es nur noch nicht bemerkt...

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Dienstag, 11. April 2017

WARTEN - aber worauf?


Warten - kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Man sitzt beim Arzt und wartet. Man steht im Supermarkt und wartet in der Schlange vor der Kasse. Warten auf das Abitur, warten auf den Bus, warten auf den Partner, warten auf den Job, warten auf Gesundheit, warten auf die Rente, warten auf den Tod. Das Leben besteht aus Wartezeiten. 
Ich persönlich empfinde Wartezeiten nicht gerade als angenehm. 

Und doch bleibt einem oft nichts anderes übrig, als zu warten. 

Doch warum müssen wir eigentlich warten? In der Bibel, dem Wort Gottes, kommt das Wort "warten" sehr oft vor. In den verschiedensten Situationen. 
Unter anderem heißt es in Klagelieder 3, 26: 
"Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen." (Luther 2017)

Das klingt erst einmal ganz schön. Und doch bereitet mir dieser Satz große Bauchschmerzen. Geduldig sein, warten - wie kann das köstlich sein? Mir kommt es eher sehr anstrengend vor. 

Doch die Bibel besteht darauf, denn an anderer Stelle, 
in Hebräer 13, Vers 9, heißt es: "...denn es ist ein köstlich Ding, 
dass das Herz fest werde, 
welches geschieht durch Gnade..." (Luther 2017)

"Dass das Herz fest werde..." - eine eigenartige Umschreibung, mit der ich nicht viel anfangen kann.
Aber ich glaube, dass dem festen Herzen eine Veränderung vorausgehen muss, damit es fest werden kann.

Wenn wir schwierige Situationen durchleben, macht uns das stärker. 
Das, was wir aus den schwierigen Situationen lernen, macht unser Herz fester, stärkt unseren Glauben.
Und diese schwierigen Umstände verraten uns eine Menge über uns selbst. Wie reagieren wir? Wer sind wir? Wie stehen wir im Verhältnis zu Gott und anderen Menschen, zu uns selbst? Wie stark ist unser Glaube wirklich?

Schwierige Situationen enttarnen Dinge und Menschen, an die wir uns geklammert haben, die uns aber letzten Endes nicht helfen können. 
Auf unserem Lebensthron wird wieder Platz für Gott.
Wir müssen uns wieder an ihn klammern, anstatt andere zu fragen.

Das ist überhaupt nicht leicht, denn Gott zeigt uns nicht immer sofort den nächsten Lebensschritt auf. Manchmal spricht er überhaupt nicht darüber und wir müssen warten, so lange, bis er wieder etwas sagt. Das kann manchmal SEHR lange dauern.

Wir halten diese Wartezeiten oft nicht aus. Sehr verständlich, wie ich finde. Wir sind nur Menschen. Deshalb ist der 2. Teil des Satzes sehr ermutigend. 

"...denn es ist ein köstlich Ding, 
dass das Herz fest werde, 
welches geschieht durch Gnade..." (Hebräer 13, 9; Luther 2017)

Das Festwerden des Herzens geschieht durch Gnade. Durch wessen Gnade? Durch Gottes Gnade. Ohne Gott schaffen wir es einfach nicht. 
Es gibt in diesem Leben keine Sicherheit. So sehr wir uns auch an Dinge oder Menschen klammern, Dinge können wegbrechen und Menschen uns enttäuschen. Aber, wenn wir unseren Blick auf die Gnade, auf Gott richten, dann kann uns geholfen werden.

Wenn wir möchten, dass unser Herz fest und unser Glaube gestärkt wird, müssen wir auf Gott schauen, während wir warten. Denn nur er kann uns geben, was wir brauchen oder uns so sehr wünschen. 

Während des Wartens sollen wir nicht nur überleben, sondern das Leben in Fülle genießen, dass Jesus, Gottes Sohn, uns ermöglicht.

Unser Leben ist Gnade, vom ersten bis zum letzten Tag.




Samstag, 8. April 2017

Sieh hin - wende dich nicht ab!


"Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit ihren Haaren getrocknet." 
(Lukas 7, 44; Luther 2017)

Eine spannende Situation. Simon, ein Pharisäer, lädt Jesus zum Essen in sein Haus ein. Eine Prostituierte kommt ebenfalls in Simons Haus. Wie ist sie dort hereingekommen? Keiner weiß es.

Diese Frau, sie tut etwas Außergewöhnliches. Sie netzt die Füße von Jesus mit ihren Tränen, gießt kostbares Parfüm darüber und trocknet sie dann mit ihren Haaren ab. 

Eine für damalige Verhältnisse Extremsituation. Im Orient der damaligen Zeit hatte die Frau eine sehr untergeordnete Stellung. Das Lösen der Haare galt als verpönt, da es etwas Erotisches darstellte und demzufolge nur innerhalb einer Ehe gestattet war.

Die Frau, eine Prostituierte, demütigt sich vor Jesus. Sie gibt alles, was sie hat; ihre Tränen, ihr teures Parfüm, ihre Haare.

Neben Jesus ist noch eine weitere Person anwesend; Simon, der Pharisäer. Ich vermute, er muss sehr verächtlich auf die Frau geschaut haben, denn Jesus stellt ihm die oben genannte Frage: "Simon, siehst du diese Frau?" Jesus vergleicht Simon sogar mit ihr. 
Denn Simon hatte Jesus noch nicht einmal eine Schale mit Wasser und ein Handtuch gebracht, damit dieser sich die Füße waschen konnte, wie es damals Sitte und selbstverständlich gewesen wäre.

Warum stellt Jesus Simon die Frage: "Siehst du diese Frau?" Sicherlich fragte er damit nicht nach dem augenscheinlichen Anblick der Frau. Natürlich sah Simon sie. 
Aber erkannte er wirklich, was in ihr vorging? Sah er die Demut in ihren Augen? Sah er, was sie ausmachte? Sah er das Bekenntnis ihrer Schuld? Sah er ihre Liebe zu Jesus?

Was sehen Sie, wenn Sie Menschen begegnen? Das schöne Haus? 
Das fette Auto? Die wohl erzogenen Kinder? 
Die Weltreisen des Mannes? Die lackierten, gepflegten Fingernägel der Frau?
Sind Sie neidisch auf diese Menschen?

Im Hinblick auf die Situation, die hier im Lukasevangelium beschrieben wird, drängt sich mir die Frage auf: "Was sehe ich?" 
Was ist mir im Leben wichtig; bei mir selbst und bei anderen?
Schaue ich auf das Äußere, auf das Verhalten oder sehe ich das Herz des Menschen; seine oder ihre Persönlichkeit, sein oder ihr Leid?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn nicht jeder trägt sein Herz auf der Zunge.

Die zweite Frage, die ich mir stelle, lautet: "Was hätte Jesus getan?" 
Wie sieht er die Frau?

Ich glaube, Jesus empfand eine tiefe Liebe für sie, echte Barmherzigkeit anstelle von billigem Mitleid. Er sah, dass die Frau ihre Schuld bereute, er sah die Demut in ihren Augen und er sah, dass diese Frau ihm dienen wollte. Sie gab alles, was sie hatte. Sie gab sich selbst.

Sind wir bereit, uns selbst zu geben, für jemanden, der unsere Hilfe dringend benötigt? Oder sehen wir weg; stecken wir Menschen in eine Schublade, in ein Raster, verurteilen wir sie?

Jesus bedenkt die Menschen mit einem liebevollen Blick, egal, was sie verbrochen haben. Wenn sie ihre Schuld bereuen, vergibt er ihnen. Jeder kann zu ihm kommen, so wie er oder sie ist. Jesu Arme sind immer offen. Er wartet nur darauf, dass Sie kommen...


Sonntag, 26. März 2017

Mut

In der Schule sollten wir einmal im Deutschunterricht einen Aufsatz zum Thema Mut schreiben. Einer meiner Klassenkameraden schrieb die folgenden Worte in Großbuchstaben auf ein Blatt Papier: "DAS IST MUT!" Dann gab er das Blatt ab. Ich weiß nicht, welche Note er auf diesen kurzen Aufsatz bekommen hat, aber ich werde diese Begebenheit niemals vergessen.

Mut, was bedeutet dieser Begriff eigentlich? Der Duden beschreibt Mut als die "Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden" oder aber die "Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält". Interessant, Mut bedeutet also, in Gefahr, seine Angst zu überwinden bzw. Nachteile in Kauf zu nehmen, um etwas zu tun, das man für richtig hält.

Das sind gewagte Aussagen. Mal ehrlich, wer sagt in unserer heutigen Welt noch etwas, das er oder sie für richtig hält, auch, wenn es Nachteile bringt? Nicht viele Menschen, meine ich.

Die meisten Menschen finden es eher entspannend, mit dem Strom zu schwimmen, Mitläufer zu sein. Das ist ja auch einfacher. Ich hab keinen Stress und denke mir meinen Teil.

Auch viele Christen unserer heutigen Gesellschaft sind, was Gott und seine Gebote betrifft, wohl
eher  an manchen Stellen toleranter, als sie vielleicht sein sollten. Liebe, ja, das wollen alle. Aber Mut? Mutig zu sein, für die Schwachen einzustehen; mutig zu sein, seine Schuld zu bekennen und Jesus als Erlöser anzunehmen, auch, wenn das vielleicht bedeutet, in den sauren Apfel zu beißen und vor anderen Menschen dumm dazustehen, aber dafür Gottes Willen getan zu haben. Nicht gerade leicht!

Aber, ich finde, es lohnt sich. In der Bibel gibt es viele Stellen, in denen von Mut die Rede ist.
Zum Beispiel heißt es im 1. Korintherbrief Kapitel 16, Vers 13: "Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!" (Luther 2017). In Josua 1, Vers 6 werden wir aufgefordert, "getrost und unverzagt" zu sein. "Getrost" und "unverzagt" sind Synonyme für das Wort "Mut". In dem Adjektiv "getrost" steckt das Substantiv "Trost" und in "unverzagt" das Verb "nicht verzagen".

Warum sollen wir Trost haben und nicht verzagen? Weil Gott mit uns ist. Gott sprach zu den verschiedensten Menschen der Bibel: "Ich will mit dir sein" (2. Mose 3, 12; Luther 2017).
Er versprach es Mose, Josua, Salomo und vielen anderen.

Auch heute verspricht Gott jedem von uns: "Ich werde mit dir sein". Ob du es glaubst oder nicht:
"Ich verlasse dich nicht".

Für mich ist dies ein Anlass, mutig zu sein, auch mal die unangenehme Wahrheit zu sagen, auch, wenn es dem einen oder anderen vielleicht nicht in den Kram passt. Viel wichtiger ist doch, dass Gott auf meiner Seite ist, dass er hinter mir steht, dass er mich niemals verlässt und dass er versprochen hat, immer bei mir und mit mir zu sein. Das nimmt mir die Angst, mich auf seine Seite zu schlagen und mutig das Leben zu meistern.