Mittwoch, 25. Oktober 2017

Ägypten


2. Mose 14,12; Luther 2017

"Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben."

Da haben wir's ja wieder. Die alte Leier: "Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen". Wie jetzt? Habe ich das richtig verstanden? Ihr wollt zurück in die Sklaverei? Wirklich?
Offensichtlich schon. Das Herkömmliche, das Althergebrachte - ist doch immer noch besser, als nicht zu wissen, wohin die Reise geht, oder? Ist doch immer noch besser, als unsicher zu sein, weil man etwas Neues wagt!
So sahen es zumindest die Israeliten zur damaligen Zeit.

Aber Gott sieht das anders. Er will seine Leute, sein Volk befreien. Er schickt Mose, einen Mann, der von sich behauptet, kein guter Redner zu sein. Mose hat Angst. Er hat keine Lust, ein störrisches Volk aus der Sklaverei zu führen. Und trotzdem ist er gehorsam. Tut, was Gott ihm aufträgt. Mit welchem Ergebnis? 
Das Volk ist störrisch. Es will gar nicht aus Ägypten ausziehen. Warum?
Weil die einzige Alternative die Wüste ist. Die Wüste: Klingt nicht sehr verlockend. Kein Wasser. Nichts zu essen. Kein Leben. Und: So eine Wüste kann ziemlich groß sein. Man weiß nie genau, wo sie anfängt, und vor allem, wo sie aufhört.

Also, wenn ihr mich fragt, ich hätte mich auch für Ägypten entschieden. Sind wir Menschen nicht alle so? 
Besonders die Deutschen. Sicherheit geht vor. Sicherheit um jeden Preis!

Aber mal ehrlich: Was ist denn heutzutage noch sicher? Der Job vielleicht? Nein. Die Ehe oder Partnerschaft? 
Auch nicht. Man sehe sich nur die Scheidungsrate an. Vielleicht die eigenen Kinder? Nö. Denen könnte auch was passieren. Meine Gesundheit? Nope. Ganz schnell könnte sich eine Krankheit einschleichen. Auf einmal hat man Krebs oder Depressionen oder etwas anderes. 
Frieden? Auch nicht. In wie vielen Ländern herrscht Krieg!

Was also ist auf dieser Welt noch sicher? Ich denke, nichts.
Halt... Doch, da war noch etwas! Ah, richtig... Gott. Der verändert sich nie, hat er versprochen. Und der sorgt auch noch für uns und damals für sein Volk. 

Aber warum schickt er es dann in die Wüste? Befreiung von den Ägyptern; in der Wüste???
Was macht denn das für einen Sinn?

Die einzige Antwort, die ich auf diese Frage finde, ist: Vielleicht wollte Gott das Vertrauen der Israeliten in ihn testen. Vielleicht wollte er sehen: Vertrauen sie mir wirklich? Oder geben sie gleich beim ersten Problemchen auf? Sind sie wirklich davon überzeugt, dass ich mich um sie kümmere, wie ein Vater um seine Kinder? Wissen sie überhaupt, dass ich es gut mit ihnen meine?

Irgendwie kann ich Gott hier verstehen. Er will wissen, woran er in seiner Beziehung zu seinem Volk ist. Er möchte wissen, ob sie ihm vertrauen. Auch, wenn es hart auf hart kommt.

Vertrauen, wenn man im Tunnel ist und nichts sieht; Vertrauen, wenn man nicht weiß, was passieren wird; Vertrauen, auch, wenn etwas Schreckliches passiert und man nicht weiß, warum - das ist nicht leicht, das ist sehr, sehr schwer.

Und trotzdem verlangt Gott es von uns. "Vertraue mir. Was auch geschieht. Ich habe den Überblick, du nicht."

Denn hinter der Wüste lag das Gelobte Land.

Was hinderte die Israeliten daran, ins Gelobte Land zu kommen? Ich glaube, es war Angst. Angst, wie es in dem Vers heißt, in der Wüste zu sterben. Angst, das Leben nicht mehr meistern zu können. Angst, zu versagen.

Aber hier kommt Gottes Antwort: Du musst es gar nicht machen. Ich werde es machen und es wird wunderschön sein.

Gott hat den Plan. Gott hat die Antworten auf unsere Fragen. Aber er beantwortet nicht alle unsere Fragen. 
Vor allem nicht die Frage nach dem "Warum". Er sagt nur: Ich führe dich. Ich sage dir, was du tun sollst. 
Warte auf mich. Das kann manchmal lange dauern. Wie gesagt, eine Wüste ist groß und weit.

Aber Gott steht zu dir und er führt dich. Und das ist viel besser, als weiterhin stur den Ägyptern zu dienen. 
Die nutzten das Volk Israel aus. Sie mussten harte Fronarbeit leisten. Das klingt nicht gerade so, als wäre es erstrebenswert. Wir Menschen verharren oft in alten Dingen, obwohl wir ganz genau wissen, dass sie uns zerstören. Ob es nun Süchte sind oder negative Gedanken, sie zerstören uns gleichermaßen.

Der einzige Ausweg ist: Folge Gott in die Wüste. Es ist nicht leicht, aber dahinter liegt das Gelobte Land! Und das willst du nicht verpassen.

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